Woher kommen Sie und wie wurden Sie Professor?
Professor Bauer: Zwar bin ich gebürtiger Darmstädter, meine Kindheit und Jugendzeit habe ich jedoch überwiegend in Berlin und Schleswig-Holstein in der Nähe von Hamburg erlebt. Erst kurz vor meinem Abi ist unsere Familie wieder nach Hessen gezogen. Mein Studium der Allgemeinen Elektrotechnik habe ich an der TH Darmstadt, der heutigen TU absolviert. Nach dem Diplom konnte ich am Institut für Elektrische Energiewandlung meine Promotion zu einem elektrischen Bahnantrieb durchführen. Meine 7-jährige Industrieerfahrung habe ich in Baden in der Schweiz bei der ABB-Verkehrssysteme AG gewinnen können. Dabei konnte ich an der Entwicklung der antriebsnahen Leittechnik und neuen Regelverfahren für Triebfahrzeuge und Lokomotiven mit den damals neuen Drehstromantrieben mit Asynchronfahrmotoren mitwirken. Nachdem die Entwicklung der neuen Leittechnikgeneration im Wesentlichen abgeschlossen war, suchte ich ein neues Betätigungsfeld und habe mich an Fachhochschulen beworben und 1993 den Ruf an die Fachhochschule Darmstadt angenommen.
Rückblickend betrachtet: Würden Sie den gleichen Weg einschlagen?
Professor Bauer: Im Leben steht man oft vor Entscheidungen über den weiteren Lebensweg. Manchmal läuft nicht immer alles nach Plan. Rückwirkend kann ich sagen, dass ich keine meiner Entscheidungen bereut habe. Naturwissenschaft und Technik haben mich schon in der Jugend interessiert. Im Studium konnte ich dieses Interesse weiter vertiefen. Die Arbeit in der Industrie hat mir
wertvolle Einblicke in Produktions- und Arbeitsbedingungen gegeben. Hier an der Hochschule macht mir der Umgang mit jungen Menschen viel Spaß. Besonders gefällt mir an der Arbeit an der Hochschule, dass man viel Freiheit für persönliche Interessen hat. So konnte ich mich in Lehre und
Forschung auch weiterhin mit elektrischen Fahrzeugantreiben beschäftigen – ein Thema, das ich seit 1980 verfolge.
Essen Sie lieber Pommes oder Kartoffelbrei?
Professor Bauer: Meine Frau bereitet aus frischen Kartoffeln einen fluffigen, leichten und köstlichen Kartoffelbrei zu. Diesen ziehe ich den eher fettigen Pommes vor.
Wie kam das Gauss-Projekt ins Rollen?
Professor Bauer: Der Anstoß kam von Attila Kiss, der als Student im Studiengang Industriedesign als Diplomarbeit eine Designstudie für ein Elektromotorrad erstellt hatte. Er fragte im Fachbereich EIT an, ob wir seinen Vorschlag umsetzen wollten. Die Idee hier an der Hochschule ein Elektromotorrad zu
bauen fand ich gut. Mit einer ersten Anschubfinanzierung durch das Zentrum für Forschung und Entwicklung (ZFE) haben wir dann begonnen im Rahmen von vielen studentischen Projektarbeiten den ersten Gauss Motorradprototypen zu entwickeln und zu bauen. Es ließen sich jedoch nicht alle Ideen aus der Designstudie umsetzen. Aktuell sind wir dabei ein zweites, verbessertes Motorrad mit mehr Leistung und Reichweite zu entwickeln. Fokus der Entwicklung liegt auf einer modularen, austauschbaren Batterie mit forcierter Kühlung und einem speziell entwickelten Rahmen. Der erlaubt es viel besser, die elektrischen Komponenten optimal zu integrieren, als der gekaufte Rahmen unseres ersten Prototyps.
Wo würden Sie das Gauss-Projekt gerne in 10 Jahren sehen?
Professor Bauer: Zehn Jahre sind ein langer Zeitraum und wünschen kann man viel. Gauss als erfolgreiches Rennmotorrad in einer Rennserie ähnlich wie Formula Student könnte ich mir gut vorstellen. Auch eine Variante von Gauss als zuverlässige Straßenmaschine wäre schön. Allerdings weiß ich, dass es bis dahin noch ein sehr weiter Weg wäre, der als reines Hochschulprojekt nicht zu stemmen ist. Aber vielleicht findet sich ein finanzkräftiger Kooperationspartner, der sich daran beteiligt. Möglicherweise können auch einzelne Komponenten, wie unser neues Batteriemodul für Gauss 2 in anderen Fahrzeugen oder Geräten Verwendung finden.
Trinken Sie lieber Kaffee oder Tee?
Professor Bauer: Zum Frühstück und über den Tag verteilt trinke ich Kaffe. Zum Abendessen trinke ich aber auch gerne einen Tee.
Glauben Sie an eine Zukunft ohne Verbrenner?
Professor Bauer: Nach meiner Überzeugung werden sich die Elektroantriebe bei Fahrzeugen langfristig durchsetzen. Wann das genau sein wird? Darüber möchte ich jetzt nicht spekulieren. Ich bin jedoch sicher, dass der Markt sehr schnell kippen wird, wenn wegen der Abgasproblematik es weitere Fahrverbote gibt und sich die Preise für Elektrofahrzeuge und Verbrennerfahrzeuge annähern. Für Verbrennerfahrzeuge sehe ich die fernere Zukunft als historische Fahrzeuge ähnlich wie die Dampflokomotiven der Eisenbahnmuseen.
Was war die interessanteste Erfahrung in Ihrem bisherigen Arbeitsleben an der Uni?
Professor Bauer: Interessant aber auch turbulent war meine Zeit als Dekan im Fachbereich Elektrotechnik und Informationstechnik, die mit vielen organisatorischen Änderungen, dem Umzug unserer Büros aus dem Hochhaus in den Birkenweg und der Akkreditierung der Bachelor- und Masterstudiengänge zusammenfiel.
Lieber Schokosoße oder Sahne?
Professor Bauer: Was Sie nicht alles wissen wollen! Dunkle Schokolade esse ich lieber in
fester Form, Einen Obstkuchen esse ich gerne mit Sahne.
Sie bereiten sich so langsam auf den Ruhestand vor, werden Sie eine Weltreise machen?
Professor Bauer: Wir haben uns letztes Jahr ein Wohnmobil gekauft und wollen zunächst
einmal die Ostsee komplett umrunden.
Viel Spaß dabei und vielen Dank!